Summer-Sale-Marathon
Teil 2: The Stanley Parable

The Stanley Parable

(c) 2013 Galactic Cafe


Mit dem Summer Sale plündert die Videospielplattform Steam vom 19. bis 30. Juni mal wieder unsere Geldbeutel. Wir spielen jeden Tag einen Topseller an und äußern unsere Gedanken in einem Blitzreview. Heute: The Stanley Parable.

Du musst es spielen, du musst es nicht spielen. Du wirst es mögen, du wirst es nicht mögen. The Stanley Parable ist heiß diskutiert worden. Es sei ein bahnbrechendes Spiel mit innovativem Spielprinzip, dessen Handlung man nicht verraten könne, ohne dem Spieler den Genuss daran zu nehmen. Diese Geheimnistuerei schürt große Erwartungen. Ich verzichte darauf. Wer so unbedarft an das Spiel herangehen mag, sollte hier nicht weiterlesen …

Schon die zehn Achievements zu The Stanley Parable sind ungewöhnlich. Neben „Quit the game and then start it again.“ (ja, es wird tatsächlich so erlangt) und „Play The Stanley Parable for the entire duration of a Tuesday.“ findet sich auch das simple „Beat the game.“ Man erreicht es beinahe unausweichlich nach knapp sechs Minuten. Und tatsächlich ist das Spiel zu diesem Zeitpunkt auch schon durchgespielt und man startet von vorn. Natürlich kann man sich damit nicht zufrieden geben. Also begibt man sich erneut in die verlassenen Gänge von Stanleys Büro, nur um diesmal nicht der sonoren Stimme des Erzählers Folge zu leisten, sondern statt der linken Tür die rechte zu nutzen oder die Treppe runter statt rauf zu gehen … und damit die gesamte Handlung auf den Kopf zu stellen.

Während man dieses try-and-fail-Vorgehen dutzende Male wiederholt und dabei von einer Metaebene zur nächsten spaziert, stellt das Spiel nicht nur sich selbst und die Spielweise des Spielers in Frage, sondern zugleich das derzeit so beliebte Prinzip entscheidungsbeinflusster Handlung und überhaupt das gesamte Konzept des freien Willens. Man beginnt sich selbst Dinge zu fragen wie: „Ist Stanley wirklich der Protagonist dieses Spiels oder bin ich es oder bin ich Stanley oder er ich?“, „Sollte ich vielleicht doch mal versuchen von dieser Plattform in die Lagerhalle zu springen?“ (unverbindlicher Tipp: nein!) oder „Hätte ich das Geld sparen und mir stattdessen einfach ein Entscheidungsdiagramm dieses Spiels ansehen sollen?“.

An vielen Stellen überrascht The Stanley Parable mit erzählerischen Twists, sodass man ständig die Sichtweise auf das Spiel ändert und die Situation, in der unser gesichtsloser Stanley da steckt, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Dennoch bleibt nach knapp anderthalben Stunden Spielzeit der fade Beigeschmack, hier nie wirklich etwas erreichen zu können. Was mit einem ausgesprochen hohen Wiederspielwert begann, startet man nun nur immer wieder von vorn, um weitere Handlungsvarianten zu entdecken, allein der Vollständigkeit halber. Mit einem Mal laufen die Credits durchs Bild, scheinbar mitten im Spielverlauf – und schon steht man wieder am Anfang, starrt in den menschenleeren Korridor und alles, was man eben erlebt zu haben glaubt, ist zurückgesetzt auf Null.

Ich denke, The Stanley Parable ist definitiv das Erlebnis wert, solange man nicht mit der Erwartungshaltung hineingeht, ein echtes Videospiel vorgesetzt zu bekommen. Konzept und Erzählweise sind eine zeitlang faszinierend, diverse Details sind ausgesprochen amüsant, aber all das unterhält nicht genug, um wirklich fesselnd zu sein. Sollte man The Stanley Parable spielen? Ja. Sollte man es kaufen? Nein. Es hält dich ein paar Stunden bei der Stange und verschwindet dann in deiner Spielebibliothek zwischen all den anderen Games, die nur messbare Spielzeiten haben, weil du sie mal im Hauptmenü hast stehen lassen, während du kacken warst.

Titel: The Stanley Parable
Entwickler (Jahr): Galactic Cafe (2013)
Genre: Exploration, Adventure, Indie
Preis: 4,79 € (60% reduziert bis 23.06., 19 Uhr) statt 11,99 €

Bruder Hugo

Testsubjekt bei Aperture Science
Mein Name ist Bruder Hugo. Ich mag Elefanten.

Letzte Artikel von Bruder Hugo (Alle anzeigen)

Tags , , , , ,

Kommentar verfassen

Springe zur Werkzeugleiste