Summer-Sale-Marathon
Teil 8: Alice: Madness Returns (2)

Alice: Madness Returns

(c) 2011 EA Games

Mit dem Summer Sale plündert die Videospielplattform Steam vom 19. bis 30. Juni mal wieder unsere Geldbeutel. Wir spielen jeden Tag einen Topseller an und äußern unsere Gedanken in einem Blitzreview. (Gestern und) heute: Alice: Madness Returns … das Spiel strapaziert mich ein bisschen, deshalb in zwei Teilen.

Lies den ersten Teil hier →

Ich durchquere etwas, das wohl mein Schlafzimmer sein soll. Ich weiß immer noch nicht so recht, in was für einer Einrichtung ich da bin. Exposition ist nicht gerade die Stärke dieses Spiels. Zu bestimmtem Mobiliar hat Alice Erinnerungsfetzen auf Lager. In Popup-Dialogen, die nur mit der Maus wegklickbar sind, mal vertont, mal unvertont, doch jedesmal inklusive Wechsel zurück zur Third-Person-Perspektive. Ich hätte wohl den ersten Teil der Reihe spielen sollen, bin völlig aufgeschmissen. Alice hat wohl ihr Elternhaus abgebrannt, war im Irrenhaus? Das Spiel macht keine große Sache daraus, die Andeutungen locken aber auch nicht gut genug, irritieren eher. Ich stolper auf die Straße, folge einer kastenförmigen, weißen Katze und treffe eine alte Frau, die mir den Eindruck vermittelt, ich hätte irgendwas Wichtiges verpasst. Dann falle ich endlich ins Wunderland.

Das wenigstens ist hübsch designt. Natürlich angesichts der grafischen Beschränktheit des Spiels nicht buchstäblich „hübsch“, aber ich imaginiere mir zusammen, dass diese Welt in schönen Texturen einfach fantastisch aussehen muss. Alice jedenfalls fühlt sich heimisch, während das Tutorial startet. Ich bekomme ein blutiges Küchenmesser, sammel Erinnerungen und (warum auch immer) Zähne. Jede Cutscene bietet mir aufdringlich an, sie mit der Leertaste zu überspringen. Die Doppelsprungfunktion wird mir erst vorgestellt, nachdem ich sie zwangsweise selbst entdecken musste. Das Springen überhaupt ist eine Farce. Man braucht einen gewissen Abstand, um überhaupt auf einen Vorsprung zu kommen und nicht am selbigen hängen zu bleiben. Keine guten Voraussetzungen für ein Jump ’n’ Run.

Nachdem ich die Schrumpffähigkeit erlernt habe („Trink mich“), die per Strg-Taste beliebig genutzt werden kann und damit eigentlich nur recht unkreativ die Ducken-Funktion ersetzt, gelange ich schließlich in eine Art offene Küche. Hier erwartet mich eine Frau mit riesigem Kopf … die ich scheinbar auch schon aus dem ersten Teil kennen muss. Sie beauftragt mich, Schnauzen (= Schweine) zu jagen und mit einer Pfeffermühle vorzuwürzen. Vor der Tür erwarten mich aber keine Schnauzen, sondern geflügelte Schrauben. Mit Messer, Müh und Not metzel ich ein paar, bevor ich autodidaktisch feststelle, dass ich zunächst ihre Nester eliminieren sollte. Die überempfindliche Kamera macht mich fertig, jedes Ausweichen katapultiert mich in die völlige Orientierungslosigkeit. Durch einen dummen Tastendruck wechsel ich auf die Pfeffermühle, die absolut nichts gegen die Gewindebolzen in petto hat. Weder Keyboard noch Maus vermögen mein Messer zurückzubringen. Dann verlier ich endlich die Geduld.

Man könnte viele meiner Kritikpunkte, was Handlung und Gameplay angeht, darauf zurückführen, dass ich den Vorgänger nicht gespielt habe. Ich könnte auch damit leben, wenn einfach alles völlig verrückt wäre, ist schließlich Alice im Wunderland. Aber dieses hin und her zwischen überflüssigen Anweisungen und „ich weiß nicht, was zu tun ist“, zwischen „das weißt du doch alles schon“ und „was um Himmels Willen geht hier ab“ ist mir einfach zu inkonsequent. Man merkt, dass das Spiel für die schwerfälligere Konsolensteuerung entwickelt wurde. Für ein Jump ’n’ Run ist es unzumutbar, wenn man sich vor jedem Sprung und nach jeder Ausweichbewegung erstmal richtig positionen muss. Ich werde mir wohl einen Controller schnappen und dem Titel eine zweite Chance geben. Ich will unbedingt noch die ganzen Charaktere des Wunderlands treffen, den Kaninchenbau erkunden und herausfinden, wie gaga Alice wirklich ist. Der Entwickler Spicy Horse übrigens befand nach dem mäßigen Erfolg von Alice: Madness Returns das Konsolenkonzept mit physischen Datenträgern für tot und schmiss hin. Grund genug für eine Teeparty.

Titel: Alice: Madness Returns
Entwickler (Jahr): Spicy Horse Games (2011)
Genre: Action, Abenteuer, Jump and Run
Preis: 2,49 € (75% reduziert im Blitzangebot) statt 9,99 €

Bruder Hugo

Testsubjekt bei Aperture Science
Mein Name ist Bruder Hugo. Ich mag Elefanten.

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