True Grit

Zehn Oscarnominierungen, acht BAFTA-Award-Nominierungen, Eröffnungsfilm der Berlinale und Jeff fucking Bridges! … Man munkelt, dieser Film hätte echten Schneid.

Johnny Cashs God’s Gonna Cut You Down im Trailer täuschte uns damals selbst über das Mitwirken Matt Damons hinweg einen wirklich hochwertigen Film vor. Jetzt nach der DVD-Veröffentlichung und der Pleite bei den Oscars kamen wir endlich dazu, in gemütlicher Runde das neueste Werk der Brüder Joel und Ethan Coen zu beschauen.

True Grit

© 2010 Paramount Pictures, truegritmovie.com

Coentroverses Kino

Wer sie nicht kennt: die Coen-Brüder sind jenes Regieduo, das sich seit Blood Simple (1984) auf dem schmalen Grat zwischen kauziger Genialität und absurdem Langeweilekino bewegt. Sofern man im Laufe eines Coen-Films nicht sanft eingedöst ist, sitzt man nach dessen Ende traditionsgemäß mit einem „What the fuck“-Ausdruck vor dem Fernseher oder der leeren Popcorntüte und fragt sich, was der ganze Scheiß eigentlich sollte.

Der alteingesessene Filmkenner schwankt innerlich zwischen der Feststellung, dass dieser Film gnadenlos überschätzt wurde, und dem Bedürfnis, sich angesichts seiner eigenen Unwürdigkeit winselnd im Dreck zu wälzen.

Denjenigen, die noch nie in den Genuss eines Coen-Films gekommen sind, empfehle ich übrigens Burn After Reading, das wohl massenkompatibelste Werk der Brüder. Allerdings grenzt es ja schon fast an ein Verbrechen, The Big Lebowski nicht gesehen zu haben …

Schneidiger Dude und nervige Göre

Die 14-jährige Vorzeigenervensäge Mattie Ross [Hailee Steinfeld] kommt in die Saloon-Undertaker-Bank-Sheriff-Standard-Wildweststadt, um die Leiche ihres ermordeten Vaters zu überführen und seine letzten Angelegenheiten – irgendwas mit Ponys – zu regeln. Auf Rache gebürstet engagiert sie den Trunkenbold aka US-Marshal „Rooster“ Cogburn [Jeff Bridges], der während einer wirklich amüsant inszenierten Gerichtsverhandlung beweist, dass er „echten Schneid“ hat. Cogburn soll sie ins Indianerterretorium führen und den Mörder Tom Chaney [Josh Brolin] zur Strecke bringen.

Zu dem Duo gesellt sich der Texas Ranger LaBeouf [Matt Damon mit Südstaatenakzent], der – da Chaney nun wirklich keine Leuchte ist, würde ich sagen aufgrund seiner eigenen Unfähigkeit – seit Monaten hinter dem flüchtigen Verbrecher her ist.

Der folgende einstündige Dialog zwischen Mattie, Cogburn und LaBeouf wird eigentlich nur von einem halben Dutzend Revolverschüssen, einem völlig banalen, aber genial platzierten Monolog über Cogburns Lebensgeschichte und einer wirklich irrkomischen Szene, in der Cogburn dumpf dreinblickende Indianerkinder von einer Veranda tritt, unterbrochen.

Aufgrund eines Schusswechsels mit einigen Maisbrötchen verlieren die drei schließlich die Spur von Chaney und der Gangsterbande, der er sich angeschlossen hat. Kurze Zeit später wird Mattie allerdings von Chaney entführt, was nach Aussage des Dreikäsehochs natürlich nur am Versagen ihrer Waffe gelegen hat. Ich muss ihr aber zugute halten, dass sie die höchste Trefferquote aller Beteiligten hat und absurderweise die einzige ist, die während des gesamten Films auf Chaney schießt.

Während Cogburn und LaBeouf im Finale die Gangsterbande aufmischen, wird der Ranger von Chaney überrascht und niedergeschlagen. Mattie schnappt sich LaBeoufs Gewehr, erschießt Tom Chaney und verliert dadurch einen Arm.

Darauf muss ich nochmal näher eingehen, denn die Kausalitätskette zwischen diesen beiden Aktionen ist nicht sofort ersichtlich: Durch den Rückstoß fällt Mattie in ein Loch, spielt aus unerfindlichen Gründen an einer Leiche herum und wird von der darin schlafenden Giftschlange gebissen. Dann rettet sie Cogburn, schneidet ihr die Hand auf, reitet ein Pferd zu Tode und lässt ihr in einer Hütte den Arm amputieren. Klar soweit …

Der Film schließt mit einer Sequenz, die 25 Jahre später spielt und etwa so überflüssig ist wie das letzte Kapitel in Harry Potter 7, in dem wir erfahren, wie kreativ Harry und Co. bei der Namensgebung ihrer Kinder waren: Cogburn ist tot und LaBeouf ward auch nicht mehr gesehen … cool!

Fazit:

Obwohl ich schon einige Filme der Coen-Brüder gesehen habe, The Big Lebowski und Burn After Reading genial fand und nicht zuletzt selbst Ladykillers mit Tom Hanks in meinen Augen völlig unterschätzt wird, wurde ich mit True Grit während seiner fast zwei Stunden Laufzeit einfach nicht warm. Man fiebert nicht mit den Figuren mit, weil es einfach nichts zum Fiebern gibt. Die meiste Zeit wird mit Dialogen über Trivialitäten verbraten, über die ich als Tarantino-Anhänger allerdings nur müde schmunzeln konnte.

Hailee Steinfeld als Mattie spielt zwar toll, ist aber nerviger als ein Jurastudent im ersten Semester. Jeff Bridges ist abgehangen wie immer, der ganze Film ist aber dermaßen motivationslos, dass mir nicht mal Matt Damon negativ aufgefallen ist.

Nach dem Hype, der im Vorfeld der Oscarverleihung um diesen Film gemacht wurde, bin ich erstklassig enttäuscht worden. Nach dem normalen Maßstab kann ich hier nur 4 von 10 Punkten vergeben, in erster Linie für das schöne Setting und die Kostüme. Als Coen-Film betrachtet sind es immerhin noch 5 von 10 Punkten. Selbst der Dude in Bestform rettet da nicht mehr viel.

Bruder Hugo

Testsubjekt bei Aperture Science
Mein Name ist Bruder Hugo. Ich mag Elefanten.

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