Summer-Sale-Marathon
Teil 7: Alice: Madness Returns (1)

Alice: Madness Returns

(c) 2011 Electronic Arts

Mit dem Summer Sale plündert die Videospielplattform Steam vom 19. bis 30. Juni mal wieder unsere Geldbeutel. Wir spielen jeden Tag einen Topseller an und äußern unsere Gedanken in einem Blitzreview. Heute (und morgen): Alice: Madness Returns … das Spiel regt mich etwas auf, deshalb in zwei Teilen.

Mein Madness-Returns-Erlebnis startet denkbar schlecht, nämlich mit der Erstellung eines EA-Kontos. Ich könnte jetzt mit einem megabytelangen Text darüber beginnen, was ich davon halte, Spiele nur dann spielbar zu machen, wenn man sich einen Nutzeraccount beim entsprechenden Publisher zulegt, oder wie bizarr ich die Notwendigkeit eines Internetzugangs zum Spielen von Single-Player-Games finde. Aber ich denke, ich werde aus Platzgründen darauf verzichten. Das gehört in einen anderen Artikel … bestenfalls einen über Ubisoft und Assassin’s Creed. Nachdem ich diese bürokratische Formalität und den wenig kreativen Versuch, mir ein Newsletter-Abo aufzuschwatzen, gemeistert habe, wundere ich mich noch ein bisschen über die folgende Mail mit dem Betreff „Willkommen bei Origin“ (dachte, ich hätte ein EA-Konto erstellt …?). Dann geht es endlich los.

Mit der Eingabetaste darf ich zunächst ein paar Entwicklerlogos und zwei (!) aufeinanderfolgende Startbildschirme wegdrücken, bevor ich zum Hauptmenü komme. Das Spiel erkennt zwar meine hohe Bildschirmauflösung an, ist sich aber zu fein, sie selbstständig anzupassen und überlässt das mir. Ebenso die Justierung des Gammawertes. Der dazugehörige Schieberegler ist aus unerfindlichen Gründen deaktiviert, die Pfeiltasten (+/-) an seinen Enden funktionieren nicht, wenigstens darf ich das Ding mit der Maus draggen. Dann endlich geht es los.

Mich empfängt eine nett gestaltete Introsequenz in Holzschnittoptik, Bilder aus Alices Vorstellungskraft. Sie liegt offensichtlich auf der Couch. Eine männliche Stimme redet auf Alice ein, sie solle ins Wunderland zurückkehren, und ich überlege, ob das wirklich eine geeignete Therapie gegen fortgeschrittene Geisteskrankheit sein kann. Die deutsche Synchronisation klingt etwas hölzern, aber mein Versuch, auf Originalton zu wechseln, scheitert an der fehlenden Option im Menü. Ich erinnere mich, wie ich bei der Erstellung meines EAOrigin-Kontos bedenkenlos „Deutsch“ als Sprache ausgewählt habe … verdammt! Auf dem Bildschirm kämpft Alice unterdessen damit, dass ihre idyllische Vorstellungswelt in eine krude Gewaltorgie umschwingt. Nachdem der Märzhase zu einem blutigen Brei zermatscht wird, findet Dr. Bumby (er ist Psychater … oder Waisenhaus-Vorsteher … oder Kinderarzt?) noch ein paar wenig tröstende Worte. Dann spiel ich endlich los.

Nun darf ich die Psychatrie/Waisenhaus/Kinderarztpraxis erforschen … glaube ich, denn ein wirkliches Ziel habe ich nicht. Also folge ich in Third-Person-Perspektive einfach dem Flurverlauf und trigger im Vorbeigehen garstige Kommentare zusammenstehender Kindergruppen. Würde man das Aussehen dieser Kinder als „grotesk bis gremlinhaft“ bezeichnen, wäre das noch eine Schmeichelei. Diese unheimliche Horroratmosphäre, die das gleich zu Beginn erzeugt, könnte mir eigentlich gefallen, wären da nicht zwei Punkte, die mich einfach völlig aus dem Spiel reißen.

Der eine ist die Empfindlichkeit der Kamera, die freibeweglich mit der Maus gesteuert wird. Ich habe echte Mühe, die gute Alice auf Kurs zu halten und selbst in diesem schlauchigen Korridor nicht ständig gegen die Wand zu datschen. Abermals lässt mich das Optionsmenü eiskalt abblitzen. Wenn das mal nicht auf ’nen Controller ausgelegt war. Mit „T“ kann ich zur Egoperspektive wechseln, was die Sache nicht undebingt erleichtert. Der andere Punkt ist die Grafik. Das Spiel mag drei Jahre auf dem Buckel haben, ich erwarte nichts unrealistisches (höhö ^^), aber man kann sich kaum vorstellen, dass dieselbe Engine im gleichen Jahr Grundlage für Batman: Arkham City und zwei Jahre später für BioShock Infinite war. Die Tristesse und Detaillosigkeit der Szenerie schiebe ich mal auf das Setting. Die Texturen sind dabei allerdings komplett flach. Die Figuren wirken kantig und seltsam inkonsequent gestaltet. Einige haben ziemlich realistische Proportionen, andere sind geradezu cartoonisch. Alices Gesicht scheint aus einem einzigen Poligon zu bestehen, andere sind wesentlich detailreicher modelliert.

Lies den zweiten Teil hier →

Bruder Hugo

Testsubjekt bei Aperture Science
Mein Name ist Bruder Hugo. Ich mag Elefanten.

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